MEHR ALS NUR PILS

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung | 30. November 2014


Mit Enthusiasmus dabei sind auch Adrian Draschoff und Matthias Piegsa, die beiden Macher von „Schädelbräu“. Sie sind keine Bierbrauer und wollen auch keine werden. Sie sehen sich als Bierliebhaber, die ihr eigenes Lieblingsbier entworfen haben und vermarkten. „Schädelbräu“ hat daher auch nur eine Sorte im Angebot, und die ist kein Ale oder Stout, sondern ein Lager - allerdings ein sehr gutes.

Begonnen hat alles vor vier Jahren. Da standen die beiden Studenten in einem Kiosk vor gut dreißig Biersorten und stellten fest, dass sie keine hundertprozentig anspricht. „Irgendwas hat immer gestört: das Design, die Flasche oder der Inhalt“, erzählt Piegsa, „das wollten wir ändern.“ Und Draschoff ergänzt: „In diesem Sinne hatten wir nie ein Konzept, sondern wir haben einfach das Bier entwickelt, das unserem Geschmack entspricht - und nicht das, von dem wir denken, dass andere es kaufen wollen.“

Dass die Gründung von „Schädelbräu“ mit dem beginnenden Craft-Beer-Boom zusammenfiel, war reiner Zufall: „Wir mussten erst mal nachschlagen, was Craft Beer überhaupt ist“, lacht Piegsa. Mit der szeneüblichen Fachsimpelei über Hopfensorten und Aromahefen können die beiden daher auch wenig anfangen. „Uns ging es darum, dass das Bier gut schmeckt, nicht darum, wie es hergestellt wird“, betont Piegsa, und es klingt nicht einmal aufgesetzt.

Allerdings sind die beiden Jungunternehmer alles andere als unbedarft. Das wird einem spätestens dann klar, wenn sie erzählen, wie sie nebenbei eine eigene halbautomatische Gegendruckabfüllanlage gebaut haben, da die von ihnen verwendeten Flaschen für die in Deutschland üblichen Anlagen zu flach sind.

Bleibt die Frage nach dem Namen. Wieso „Schädelbräu“? „Das war zunächst einmal eine ironische Idee“, räumt Piegsa ein, „aber irgendwann haben wir uns gedacht, wir können uns diese Ironie erlauben, wir dürfen das.“ Wir nehmen einen kräftigen Schluck aus dem knuffigen Fläschchen mit dem roten Etikett. Es ist tatsächlich lecker, sehr lecker sogar. Ja, die beiden sympathischen Jungs dürfen das.